Leib & Seele - Gesundheit
Donnerstag, 20. Februar 2014

Bald geht es für viele wieder los: Ständige Schniefnase, Niesen, gerötete Augen, auch Husten und Abgeschlagenheit. Schon wieder eine lästige, hartnäckige Frühlingserkältung, denken dann leider viel zu viele – und tun nichts. Dabei ist die Ursache möglicherweise eine Pollenallergie. Experten schätzen, dass fast jeder zweite Allergiker nicht diagnostiziert ist – und nur etwa 10 Prozent der Allergiker richtig therapiert werden. Dabei kann und sollte man dagegen etwas tun.

 

             

von Chefredakteurin
Dorothea Palte

Fotos: © drubig-photo – fotolia.com, privat

   
 

Link-Tipps …

  • Spezielle Tipps und Informationen für Allergiker – unterteilt in Altersklassen – bietet der Allergienavigator unter www.allergienavigator.de

  • Tagesaktuelle Pollenwarnungen gibt der Deutsche Wetterdienst unter www.dwd.de/pollenflug heraus

  • Eine Ärztesuchmaschine für Allergologen bietet der Ärzteverband Deutscher Allergologen e. V. auf seiner Homepage www.aeda.de

     

Heuschnupfen oder Erkältung?

Die Hauptsymptome sind die gleichen: Schnupfen, Niesen, gerötete Augen, Husten sowie Konzentrationsstörungen und Müdigkeit. Deshalb verwechseln viele den Heuschnupfen mit einer Erkältung – und wundern sich jedes Jahr aufs neue, dass sie immer wieder und sehr langfristig davon betroffen sind. Wer gerade in Frühjahr und Sommer vermehrt unter vermeintlichen Erkältungen leidet, die länger als acht bis zehn Tage andauern, sollte daher checken, ob es sich nicht doch um eine Allergie handelt.

Der allergische Schnupfen ist oft mit Juckreiz an Augen und Nase verbunden. Zudem ist  das Schnupfensekret meist eher wässrig, Fieber ist selten. Die Beschwerden treten immer wieder in bestimmten Situationen (zum Beispiel am Wochenende, nach dem Joggen o.ä.), Jahres- (Frühjahr/Sommer) oder Tageszeiten auf. Aber man sollte sich nicht täuschen: In milden Wintern wie diesem können schon im Januar die ersten Birken-, Erlen- und Haselpollen fliegen.

Grippale Infekte hingegen gehen fast immer mit erhöhter Temperatur oder Fieber einher, der Schnupfen ist eher festsitzend oder eitrig, die Lymphknoten sind geschwollen. Fehlen diese Symptome, ist eine Allergie als Auslöser für den Schnupfen sehr wahrscheinlich.

Wie kommt es zu Allergien?

Einer allergischen Reaktion geht eine sogenannte Sensibilisierung voran. Das Immunsystem wird beim Kontakt mit einem Allergen (z. B. Pollen) stimuliert und stuft es als potentiell gefährlichen Stoff ein. Prof. Dr. Ralph Mösges, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde und Allergologie, erklärt: Wir wissen, dass mittlerweile mehr als die Hälfte der Deutschen eine Sensibilisierung gegen irgendein Allergen haben. Das bedeutet nicht, dass sie schon manifest auf ein Allergen reagieren, also Allergiker sind, aber sie haben die Anlage dazu, irgendwann in ihrem Leben auf ein Allergen zu reagieren.“

Beim erneuten Kontakt mit dem Allergen kann es also sein, dass der Körper vehemente Abwehrmechanismen einsetzt, um die vermeintlich gefährliche Substanz wieder los zu werden: Die Nase läuft, um das Allergen auszuschwemmen. Man niest, um es hinauszuschleudern. Schließlich schwillt die Nase zu, damit die Allergene nicht weiter in den Körper eindringen können. Beteiligt an diesen Abwehrprozessen ist der Entzündungs-Botenstoff Histamin.

Tückisch an Allergien: Sie sind nicht statisch, sondern ständig in Bewegung. Prof. Mösges dazu: „Es fängt vielleicht damit an, dass jemand auf ein Gras reagiert. Mit der Zeit kommen aber immer mehr Allergene hinzu, die der Körper als schädlich betrachtet, z. B. Hausstaubmilben. Oder man reagiert plötzlich auf die Katze des Nachbarn. Mit der Zeit weitet sich also das Allergenspektrum immer weiter aus.“ Auch Verschlimmerungen sind möglich: In etwa 80 Prozent aller Fälle ist eine Allergie die Ursache für die Entwicklung eines Asthmas.

Was tun?

Am besten geht man zu einem erfahrenen Allergologen. Mit dem Haut-Prick-Test wird festgestellt, welche Stoffe die Allergie auslösen. Die Allergene werden dazu auf der Innenseite des Unterarms aufgetragen, bildet sich nach kurzer Zeit eine Quaddel oder Rötung, kann der Arzt feststellen, ob eine Sensibilisierung bzw. bereits eine Allergie gegen die Stoffe vorliegt.

Befindet man sich mitten in der Allergie-Saison, ist zunächst nur die Behandlung der Symptome möglich: Antihistaminika blockieren im Körper den Botenstoff Histamin. Sie können eine akute allergische Attacke lindern, aber auch vorbeugend eingesetzt werden. Ältere Präparate hatten den Nachteil, dass sie müde machten, Antihistaminika der neusten Generation tun das nicht mehr. Bei starken allergischen Reaktionen ist Kortison – als Spray oder Salbe – oft die einzige Hilfe. Um die Nebenwirkungen so gering wie möglich zu halten, sollte es so gering dosiert wie möglich, aber so stark wie nötig eingesetzt werden.  

Ursachenbekämpfung?

Eine spezifische Immuntherapie bekämpft die Ursachen der Allergie. Das überschießende Immunsystem wird nach und nach an die vermeintlichen Giftstoffe gewöhnt. Es lernt mit der Zeit, dass von ihnen keine Gefahr ausgeht. War diese Hyposensibilisierung früher mit vielen Arztbesuchen und ständigen Spritzen verbunden, können inzwischen viele Allergien mit Tabletten oder Tropfen vom Patienten selbst zu Hause behandelt werden.

Bei dieser moderner, so genannten „sublingualen Immuntherapie“ (SLIT) wird das Allergen anders als die allergieauslösenden Pollen über die Mundschleimhaut unter der Zunge aufgenommen. Der Körper reagiert darauf zwar, aber nicht in dem Ausmaß, wie er es beim Pollenflug täte. So lernt das Immunsystem mit der Zeit, dass das Allergen nicht gefährlich ist.

Diese Immunisierung sollte mindestens zwei Monate vor der jeweiligen Allergiesaison begonnen werden und dauert in der Regel drei Jahre. Für Gräserpollen-Allergiker wäre es daher nun höchste Zeit. Die Hyposensibilisierung ist der einzige Weg, um den Heuschnupfen dauerhaft in den Griff zu bekommen – und reduziert auch die Gefahr, mit der Zeit auf weitere Allergene zu reagieren. Alle anderen Medikamente gegen die Allergie, wie Antihistaminika und Kortison, bekämpfen nur die Symptome. Juckreiz, Triefnase und Co. kommen zurück, sobald man sie absetzt.

Was kann man sonst noch tun?

Man kann Pollen kaum meiden. Und wenn, dann nur unter erheblicher Reduzierung der Lebensqualität: Sich den gesamten Sommer im Haus zu barrikadieren, dürfte wohl für niemanden eine echte Alternative sein. Die besten Tipps, um die Pollenbelastung gering zu halten:

Richtig lüften – in der Stadt morgens zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land abends zwischen 19 und 24 Uhr oder direkt nach einem Regenschauer Stoßlüften. Dann ist die Pollenbelastung draußen gering. Auch Pollenfilter an den Fenstern helfen – ebenso im Auto.

Tägliches Staubsaugen – entfernt Pollen von Teppich und Möbeln. Auf einen guten Filter achten und häufiger den Staubsaugerbeutel wechseln.

Nasenspülungen mit Salzlösung – spülen die Pollen von den Schleimhäuten und halten sie feucht (z. B. von Emser, Apotheke).

Abends duschen und Haare waschen – um die Pollen des Tages zu entfernen.

Kleidung waschen – Getragenes am besten sofort in die Waschmaschine stecken – vor allem nicht mit ins Schlafzimmer nehmen – und die Wäsche nicht im Freien trocknen.

Urlaub am Meer – besonders die Nordsee, aber auch Inseln in der Ostsee, zeichnen sich durch geringe Pollenbelastung aus, die gereizten Schleimhäute können sich in der salzhaltigen Meeresluft besonders gut erholen. Auch Urlaub im Gebirge – 1600 Meter gelten als „Pollenfluggrenze“ – ist für Pollenallergiker gleichzeitig „Urlaub vom Heuschnupfen“.


 
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